Digitalkamera für Familienfotos

herbst

Digitalkameras im (Familien-)Alltag oder warum ich mir wünsche, mit einem Blinzeln fotografieren zu können.

Weihnachten steht vor der Tür. Und wieder stöbere ich in meinem digitalen Fotoarchiv, stundenlang, auf der Suche nach Fotos für einen Familienkalender, den ich meinen Eltern jedes Jahr zu Weihnachten schenke. Tausende und Abertausende von Fotos habe ich abgespeichert, ordentlich nach Monaten sortiert. Und brauche ewig, bis ich 12 Bilder gefunden habe, die ich, ohne sie aufwendig digital bearbeiten zu müssen, für meinen Kalender verwenden kann. Ich bin immer noch nicht zufrieden. Auf dem einen Foto ist zu wenig Licht – der Online-Fotodienst meckert, die Qualität sei nicht gut genug. Ich ignoriere die Meldung. Beim anderen Foto, auf dem meine Tochter auf dem Trampolin springt, erscheint wegen der Bewegung ein Arm verschwommen. Nicht so toll, nehm ich aber in Kauf. Nicht ein Foto, das ich guten Gewissens für einen Wandkalender verwenden kann. Geschweige denn für eine Fotowand, die ich seit Jahren, seit dem ich Kinder habe, gern im Wohnzimmer einrichten würde!

Die Digitalfotografie eröffnet einem unzählige Möglichkeiten. Bloß, warum habe ich immer noch keine Fotos, die ich anderen vorzeigen würde?

Es ist Sommer. Wir haben ein Ferienhaus an der Ostsee gemietet und packen unsere Sieben Sachen für einen Nachmittag am Strand. Badesachen, Verpflegung, Sandspielzeug, Kamera. Die Spiegelreflexkamera habe ich von meinem Vater ausgeliehen, um unseren Urlaub für die Ewigkeit festzuhalten. Die Kinder sitzen in ihren Fahrradsitzen, wir schwingen uns auf die Fahrräder, meinen Rucksack mit Badesachen verstaue ich im Fahrradkorb. Und wohin mit der Kamera? Die Kameratasche hänge ich quer um die Brust. Ich fühle mich unwohl dabei. Das Ding ist etwas klobig und baumelt beim Fahren unterm Arm. Aber was tut man nicht alles für schöne Bilder…

Am Strand ist es toll. Alle haben Spaß. Und wenn die anderen Spaß haben, bin ich im Stress. Schöne Bilder. „Schnapp’ dir die Kamera, jetzt!“. Ich krame in unseren Sachen nach der Kameratasche. Wir vergraben sie darin, damit sie nicht für alle sichtbar liegt. Immerhin hat die Kamera 600€ gekostet und gehört obendrein nicht mir. Mit dem klobigen Ding am Strand herumlaufen mag ich aber auch nicht die ganze Zeit. Bevor ich mit dem Auspacken fertig bin, ist der Moment vorbei. Meine Wasserratten verziehen sich wieder ins Zelt.

Der Urlaub ist schnell vorüber. Ich habe die ganze Zeit Fotograf gespielt und bin mir auch so vorgekommen, mit der doch recht großen Spiegelreflexkamera am Bauch. Schick ist was anderes. Beim Laden der Bilder auf den Rechner bin ich recht zufrieden. Keine Kunstwerke, aber immerhin scharf.

Ein Herbstnachmittag im Park. Der Herbst ist die schönste Zeit für Fotos. Die Farben, das Licht. Leider musste ich die Spiegelreflexkamera zurückgeben. Nun, ich habe mein Smartphone dabei – nicht das neueste Modell, aber immerhin ein teures Markenhandy. Die Kinder sind vom Kinderwagen geklettert, spielen mit dem Herbstlaub und suchen nach Stöcken, Pilzen und Käfern. Ich genieße den Anblick, die tief stehende Sonne taucht alles in goldenes Licht. Ich greife schnell in die Tasche, um den Moment mit meinem Handy festzuhalten. Ich versuche das durch das bunte Laub scheinende Sonnenlicht festzuhalten. Dann die Kinder. Bis ich nah genug bin und die Kamera den Fokus eingestellt hat, haben sie sich schon wieder weggedreht und ich habe nur den Rücken auf dem Bild. Egal. Ich knipse und knipse. Das einzige schöne Foto ist das mit dem Licht, das durch das Laub durchscheint. Das steht wenigstens still. An einem windfreien Nachmittag.

Meine Kompaktkamera habe ich nicht immer dabei. Seitdem die Kinder meine Kompaktkamera einmal in die klebrigen Finger bekommen haben, sind die Bilder unscharf. Das kleine Objektiv kriege ich nicht mehr sauber. Ich hab’s mit einem Wattestäbchen und Alkohol versucht. Nun, das Ergebnis lässt zu wünschen übrig.

Mein kürzlich bestellter Foto-Wandkalender ist gerade gekommen, im DIN-A3-Format. Vorsichtig entferne ich die Folie. Das Titelblattfoto scheint beim näheren Betrachten gekörnt. Die Auflösung war nicht gut genug. Ich versuche mir einzureden, dass man bei einem so großen Kalender sowieso nicht das Bedürfnis hat, zu nah daran zu treten. Die Fotos vom Ostseeurlaub sind ok, das Licht könnte weniger grell sein, die Schatten sind zu dunkel. Ich wünsche mir, ich könnte Photoshop… Ich wünschte mir, ich könnte Augenblicke mit dem Blinzeln meiner Augen festhalten… Bis es soweit ist, wünsche ich mir einfach eine Spiegelreflexkamera. Eine eigene…